GESTALTHANDBUCH
A40|B1 ORANGE.EDGE
DAVIDS|TERFRÜCHTE+PARTNER
Schön sind
sie nicht. Oft stören sie sogar. Ihr Bau ist fast immer mit Konflikten verbunden.
Dennoch sind Autobahnen ein notwendiger Teil der modernen Stadt. Wer die räumliche
Situation verbessern will, muss lernen, mit der Autobahn als Stadtraum umzugehen.
Schon durch kleinere Maßnahmen kann dafür gesorgt werden, dass der Verkehrsalltag
der Menschen erträglicher gestaltet wird. Wer dann noch etwas weiter blickt, erkennt,
dass in der großen Straße auch eine große Aufgabe schlummert: Über einzelne Stadtgrenzen
und Zuständigkeiten hinweg kann man der Region ein Gesicht geben. Dafür haben
die Anrainerstädte zusammen mit dem Straßenbaulastträger das Gestalthandbuch A40|B1
erarbeitet.
Die A40|B1
verbindet die Kernstädte des Ruhrgebiets zu einem Raum. Entlang der Autobahn wird
der Strukturwandel der Region sichtbar. Auf einer fast 100 Kilometer langen Strecke
kann sich das Ruhrgebiet präsentieren – zum Beispiel mit interessanten Stadtkulissen,
neuen Technologieparks und national bedeutenden Universitätsstandorten.
Das
Gestalthandbuch A40|B1 besteht im Kern aus sieben Grundregeln. In diesen Regeln
sind stadt- und verkehrsplanerische sowie betriebswirtschaftliche Belange zur
Synthese gebracht worden. Dadurch erleichtert das Handbuch die Arbeit in der verkehrsplanerischen
Praxis. Die Grundregeln sorgen dafür, dass zukünftige Um-, Ausbau- und Pflegemaßnahmen
mit gestalterischen Aspekten verknüpft werden. Das, was in den kommenden Jahren
neu in die Straße investiert wird, soll etwas stadtverträglicher und schöner gemacht
werden.
So haben sich die
Beteiligten beispielsweise darauf geeinigt, dass bei zukünftigen Pflanzmaßnahmen
immer die gleiche Baumart im Vordergrund der Straße verwendet wird, sodass im
Laufe der Zeit über die Stadtgrenzen hinweg eine von Moers bis Unna durchgängige
Allee entsteht. Als Baumart wurde die Säuleneiche ausgewählt – ein Baum, der hin-
reichend industriehart ist und gleichzeitig durch seinen schlanken Habitus auch
bei dem oft geringen Platzangebot der A40 gepflanzt werden kann. Für die zukünftigen
Lärmschutzwände wurde Grün als Grundton festgelegt. Der helle Ton der Wände steht
im Kontrast zum dunklen Grün der Eichenblätter, sodass der Alleebaum dadurch besser
zur Geltung kommt. Gleichzeitig werden die Lärmschutzwände an bestimmten Stellen
farbig gestaltet, um auf be-sondere Stadträume hinzuweisen oder um in monotonen
Streckenabschnitten für etwas Abwechslung zu sorgen. Anschlussstellen als Übergänge
vom Straßenin den Stadtraum werden rot markiert. Auf der Anwohnerseite werden
die Lärmschutzwände grundsätzlich begrünt. Auch straßenseitig werden die Wohngebiete
durch einen dichten Gehölzbestand von der A40 abgeschirmt. Repräsentative Stadträume
dagegen werden durch einen offen gestalteten Straßenrandbe- reich – teils mit
tranparenten Lärmschutzwänden – sichbargemacht. Landschaftsfenster öffnen den
Blick in angrenzende Freiräume. Als besonderes Gestaltungselement erzählen kurze
Texte an ausgewählten Brücken von den Eigenheiten der Städte. Unter dem Titel
„Ich bin einer von wir“ wird beschrieben, was die Menschen mit ihrer Region verbindet:
das viele Grün, der gute Fußball oder die geografisch zentrale Position mitten
in Europa. Die Straße wird so zur Bühne der Metropolregion Ruhr.
Das Gestalthandbuch A40|B1 setzt einen Rahmen, der die Strecke als Einheit erfahrbar macht. Gleichzeitig öffnet es Gestaltungsspielräume, um auf lokale Besonderheiten reagieren zu können.
Das von
Straßen.NRW durchgeführte Projekt „Barcode A40“ ist ein Beispiel dafür, wie dieser
Rahmen ausgefüllt werden kann. Hier waren die Menschen der Region und die Pendler
der Straße aufgefordert, durch bunte Farbstreifen auf einer Lärmschutzwand eine
Geschichte zur Region oder zum Verkehrsraum zu erzählen. Das Projekt wurde als
Teil des deutschen Beitrags auf der Architektur Biennale in São Paulo präsentiert.
Auch der renommierte Art Directors Club hat das Projekt 2010 als gelungenes Beispiel
für Kommunikation im öffentlichen Raum ausgezeichnet.
Mit
dem Handbuch zeigen die Kommunen, wie man auch großmaßstäbliche Verkehrsräume
wieder in die Stadt re-integrieren kann. Der Verkehrsraum bekommt eine besondere
Bedeutung. Die Straße wird als öffentlicher Raum zurückerobert und dabei wird
die Gestaltung gleichzeitig als verkehrspsychologisches Instrument genutzt.
Die Gestaltung von Autobahnen
ist eine neue, vielleicht nicht in allen Städten und Landstrichen offensichtliche
Aufgabe. Dass man sich im Ruhrgebiet seit einigen Jahren intensiv mit den vielen
Autobahnen der Region beschäftigt, verweist auch darauf, dass das Ruhrgebiet nun
mal anders ist.
Und das wird gut so.
Dr.
Stefanie Bremer
weitere Informationen:
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Pläne
Kunst
& Urbanität - Katja Aßmann




