CHRISTIAN
ODZUCK
MAGISTRALE RRZ HEGÉMON FRAGIL
Hegémon fragil liegt am Ende der Achse Nord-Mall des Rhein-Ruhr Zentrums in Mülheim. Dieses ist eine Welt für sich; eine Welt des Konsums. Strahl-end reihen sich die Geschäfte und Gastronomiebetriebe aus poliertem Stein, Metall und Glas aneinander. Ein Shoppingcenter nach amerikanischem Vorbild. Das Publikum kommt zum Einkaufen oder einfach zum Flanieren, selbst am Sonntag, an dem die Geschäfte geschlossen sind. In hellen Atrien, einige mit gläsernen Pyramiden gekrönt, öffnen sich die Gänge. Konsumarchitektur stellt den Raum für die Kunst zur Verfügung. An einem solchen Atrium befindet sich das schwarze Objekt. Aufgebaut aus drei schwarzen Parallelogrammen, die wie Scheiben versetzt aufeinander liegen. Die spitz zulaufenden Ecken kragen frei schwebend aus und wirken am Ende fragil. Die schwarze Silikonhülle schluckt jegliches Licht und lässt das Objekt matt erscheinen. Es ist nicht ganz klar, was es da soll. Es ist erst mal da. Kann es betreten werden? Was passiert da? Die meiste Zeit eigentlich nichts. Vereinzelt setzen sich Menschen und verweilen für einen Moment. Der erhöhte Standpunkt gibt den Blick über die Besucher in die Passagen frei. Dann wird es doch als öffentliche Bühne genutzt und schafft die Möglichkeit, betreten und bespielt zu werden. Der Hegémon wird so zur Plattform, und für die Dauer der Aufführung entsteht ein neuer Bezugsrahmen, in dem die umgebenden Tätigkeiten reflektiert werden können. Im Rahmen der Ausstellung bildet es eine Klammer für verschiedenste Veranstaltungen, die an zwei Tagen der Woche stattfinden. Die Funktionsanforderung ist klar, muss aber in seiner reinen Form selten erfüllt werden. Doch was für eine Funktion erfüllt Kunst in so einem Kontext? Wichtig ist hier der Aspekt des halb-öffentlichen Raums. Ein privates Einkaufszentrum ist nur scheinbar ein öffentlicher Raum. So gibt es sicht- und unsichtbare Strukturen, die auf die Arbeit einwirken und auf die reagiert wird. Der Ort wird durch das Bespielen selbst thematisiert. So wichtig die Schaffung einer temporären Plattform für andere Aktivitäten ist, so entscheidend ist auch der skulpturale Aspekt. Als ein sitespecific object nimmt es Bezug auf den Raum. Wer möchte, kann sich der Arbeit auch ganz klassisch annähern. Das schwarze Objekt zeigt horizontale Präsenz und die Schönheit der Nichtfunktion. Es zwingt sich der Eindruck auf: Gestrandet aus den Fluten der Besucher steht der gastfreundliche Hegémon und lädt ein mit seinem großen Fassungsvermögen.
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